Arbeiten im und am Schildkrötengehege Monat Juli-Parasiten/Wurmkur

Im Juli sind weniger Arbeiten zu erledigen. Die Tiere sind meist morgens und dann wieder abends aktiv. An warmen Tagen sind sie tagsüber unter Sträucher oder Grasbüschel versteckt, um so der Sonne/Hitze zu entgehen.

Leider haben wir im Juli 2021 viele Regentage, was die Panzerträger dann nur zu einem kurzen Spaziergang im Freien nutzen, um sich anschließend im Schildkrötenhaus/Frühbeet unter der künstlichen Sonne bequem zu machen.
Mal wieder ein Argument für Technik im Schildkrötengehege.

Größere Arbeiten im Sommer

Wie ich im Monatsbericht Juni beschrieben hatte, können die eine oder andere größere Arbeiten jetzt erledigt werden. Eigentlich war ich immer ein Freund davon, diese Tätigkeiten im Gehege zu erledigen, wenn die Tiere bereits in der Starre bzw. Vorbereitung zur Kältestarre sind. So stehen oder rennen einem die Panzerträger nicht ständig über den Weg.

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Der Nachteil bei diesen Verrichtungen ist aber, das die Tiere nach der Starre in eine (je nach Umbaumaßnahme) völlig neue Umgebung kommen und sich erst neu orientieren müssen. Das kann zu Lasten der Thermoregulierung gehen, da der vorherige „Lieblingsplatz“ eventuell gar nicht mehr existiert und die Tiere sich mühsam eine neue Stelle suchen müssen. Was im Frühjahr bei kühleren Temperaturen nicht optimal ist.

Daher ist es (zumindest bin ich jetzt der Ansicht) sinnvoller, die größeren Arbeiten im Sommer zu verrichten, damit Susi & Co. die Veränderungen gleich mitbekommen und sich in den warmen Sommermonaten besser darauf einstellen können. So waren unsere Tiere bei der Erweiterung im Juni zur Stelle und hatten mit großem Interesse die Fertigstellung der neu gewonnen Fläche verfolgt. Die neu gesetzte Yucca-Palme ist seither ein gern aufgesuchter Platz bei heißem Wetter.

Gesundheitsvorsorge (Parasiten bei Landschildkröten)

Ein ganz wichtiges Thema in den Sommermonaten ist eine Wurmkur bzw. die Analyse von Kotproben. In diesen Monaten läuft der Stoffwechsel der Tiere noch auf Hochtouren, sodass bei einer eventuellen Behandlung (die im Abstand von zwei Wochen wiederholt werden sollte) die Medikamenten noch vor der anstehenden Winterstarre vollständig abgebaut und abgestorbene Würmer mit dem Kot ausgeschieden werden können.

Eine zweimalige Gabe der Arzneien ist innerhalb von zwei Wochen notwendig, da Oxyuriden massenhaft Eier legen. Diese Wurmmittel wirken aber nicht gegen die Eier.

Allgemein

Im Verdauungstrakt unserer Landschildkröten wimmeln eine Vielzahl von verschiedenen Lebewesen umher. Mit „Würmern“ sind die sogenannten Oxyuren bzw. Oxyuriden (Madenwürmer) und Askariden (Spulwürmer)gemeint, die eigentlich relativ harmlos sind und sich vom Darminhalt der Schildkröten ernähren. Aber auch Einzeller wie Flagellaten (Hexamiten) können die Gesundheit beeinträchtigen.

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In ihrem natürlichen Lebensraum werden bei den Schildkröten zum Teil Kotproben mit sehr hohem Wurmbefall gefunden. Bei optimalen Lebensbedingungen in ihren Habitaten haben die Landschildkröten in der Regel keine Probleme mit den Parasiten. Die Landschildkröten in freier Wildbahn fressen z.T. auch gezielt für uns Menschen giftige Pflanzen, um dem Befall einzudämmen.

Anders sieht es bei uns in den begrenzten (z.T. auch zu beengten) Schildkrötengehegen aus. Hier leben oft mehrerer Tiere auf engem Raum zusammen. Da sie sich immer wieder über den Weg laufen und dabei auch mit dem Kot in Kontakt kommen, reinfizieren sich die Tiere immer wieder von neuem und die Anzahl der Würmer nimmt beständig zu.

Wurmkur: adulter Oxyuride unter dem Mikroskop
Bild1:
adulter Oxyuride unter dem Mikroskop
Foto: exomed, M.Hallinger

Ursache und Symptome

Ursachen

Die Ursachen eines hochgradigen Wurmbefalls von Landschildkröten in menschlicher Obhut sind oft auf Haltungsfehler zurückzuführen.
Landschildkröten betreiben Koprophagie, d.h. das sie ihren eigenen Kot und den Kot ihrer Artgenossen fressen, um wichtige Nährstoffe zurückzugewinnen. Dabei kann es natürlich zu Infektionen bzw. Reinfektionen mit den Parasiten geben die bei Nichtbehandlung zum Massenbefall führen können.
Weitere Ursachen von Massenbefall:

• stressbedingt durch:

  • falsche Gruppenzusammenstellung (bsp: zwei Männchen auf ein Weibchen, nur Männchen)
  • Platzmangel (mindestens 10 qm/Tier-für jedes weitere Tier Minimum 5 qm mehr Fläche)
  • Kalthaltung (durchgängig zu niedrige Temperaturen, ohne Frühbeet/Gewächshaus)

• Falsche Ernährung (z.B. Obst)
• fehlende Hygiene im Gehege (Absammeln von Kot)
• keine Quarantäne bei neuerworbenen Tiere

Symptome

Bei einem geringen Befall verhält sich das Tier normal. Bei starkem Befall können folgende Symptome auftreten:

• Fressunlust
• weicher Kot
• Durchfall
• Appetitlosigkeit
• Aufnahme von Fremdkörpern (z.B Steinchen)
• vermehrtes Trinken (beding durch den Wasserentzug durch Parasiten)
• Verstopfung
• Abmagerung
• Apathie

Kotproben

Die am häufigsten vorkommenden Endoparasiten bei Schildkröten sind Oxyuriden. Eine Gruppe von unterschiedlichsten Pfriemenschwanzarten. Der Kot einer gesunden Schildkröte ist wurstförmig, dunkel und fest. Bei Tieren mit hohen Befall ist der Kot matschig oder z. Teil flüssig. Bei sehr hohem Befall sind die Parasiten manchmal mit bloßem Auge sichtbar!

Spätestens dann ist ein Gang zu einem schildkrötenerfahrenen Tierarzt unumgänglich.
Damit es aber erst gar nicht dazu kommt, ist der beste Weg die Tiere so artgerecht wie möglich halten (Siehe Ursachen). Aber selbst im größten und strukturierten Schildkrötengehege können Parasiten von außen rein getragen werden und die Tiere sich dadurch anstecken. Parasitenbefall durch aufgenommen Vogelkot ist aber eher unproblematisch.

Jährliche Kontrolle

Eine jährliche Kontrolle im Sommer würde ich aber schon empfehlen.
Der Kot der Tiere wird dabei an drei Tagen gesammelt. Damit diese frisch bleibt, wird etwas Wasser hinzugeben und im Kühlschrank gelagert.

Hat man an drei Tagen möglichst viele Kotproben gesammelt, wird die Probe dem Tierarzt übergeben, oder an entsprechende Labore versendet (bsp: Exomed).
Die Schildkrötenfarm in Speyer bietet für eine Wurmkur z.B. ein Kotprobenuntersuchungs-Set inkl. der Laborleistung an.

Therapie (Wurmkur)

Hat man das Ergebnis bekommen und es liegt ein mittlerer bzw. hoher Befall vor muss das Tier bzw. der komplette Bestand therapiert werden. Ganz wichtig bei einer Therapie gegen Wurmbefall: Die Therapie muss mindestens 6 Wochen vor Beginn der Starrevorbereitung abgeschlossen sein! Abgestorbene Würmer im Darm können sonst in der Winterstarre zu einer Sepsis(Blutvergiftung) führen.

Je nach Befall erhält der Halter für die Wurmkur einen Therapieplan. Die häufigste Art der Gabe ist das Wurmmittel (z.B. Panacur, Wirkstoff: Fenbendazol) in flüssiger Form oral zu verabreichen.
Wer sich das nicht zutraut, das Mittel zu dosieren (Abhängig vom Gewicht des Tieres) und der Schildkröte einzuflößen, soll das bitte dem Tierarzt überlassen.

Es ist nicht ganz so einfach, einer Schildkröte die Spritze ins Maul zu stecken.

Einen kleinen Trick habe ich hier:
Ausnahmsweise darf eine Walderdbeere als Leckerli herhalten…:-)…Alternativ kann man auch das Medikament in die Beere spritzen und lässt das Tier die Beere so fressen


Das Video wird von Youtube eingebettet und erst beim Klick auf den Play-Button geladen. Es gelten die Datenschutzerklärungen von Google

Nach 14 Tagen erfolgt in der Regel eine Wiederholung der Medikamentengabe, da in dieser Zeit bereits die nächste Wurmgenaration geschlüpft ist.

Prophylaktische Entwurmung

Sollte man generell Schildkröten und andere Reptilien prophylaktisch entwurmen?

Klares Nein! Prophylaktisches Entwurmen ist kontraproduktiv. Es gibt bei Reptilien, insbesondere bei Schildkröten, nicht nur Würmer die dort parasitieren und die in einer Kotprobe oder Kotuntersuchung nachweisbar sind. Dementsprechend werden bei einer prophylaktischen Entwurmung nicht alle möglichweise vorhanden Parasiten „erwischt“.
Weiterhin ist es wissenschaftlich nachgewiesen, dass Entwurmungsmittel sowohl dem haematopoetischen System (blutbildenden System), als auch dem Gastrointestinaltrakt (Magen-Darm-Trakt) schaden können. Insofern kann eine Entwurmung den Schildkröten schaden, wenn keine Parasiten vorhanden sind. Außerdem sind wirksame Entwurmungen verschreibungspflichtig und dementsprechend nur über den/die Tierarzt/Tierärztin zu beziehen.(Quelle: exomed.de)

Um dennoch vorbeugend einen hohen Parasitenbefall zu vermeiden, ist es wichtig, die oben genannten Ursachen zu verhindern/beheben.
Also eine naturnahe Haltung, bei artgerechter Fütterung mit Wildkräutern in einem der (homogenen) Gruppe entsprechendem großen, strukturierten Schildkrötengehege!

Kräuterheu

Auch in diesem Monat wird verstärkt selbst getrocknete Wildkräuter im Wechsel mit Agrobs angeboten.
Schwieriger wird das für alle Halter, deren Gehege schon groß ist und die Futterpflanzen bei feuchten Witterungsbedingungen regelrecht explodieren und den Schildkröten einen frisch gedeckten Tisch bieten.

Natürlich laufen die Schildkröten dann eher zu den saftig, frischen Wildkräutern als zum vertrockneten Kräuterheu.
Da heißt es manchmal das Gehege etwas ausdünnen oder (wenn die Möglichkeit besteht) einzelne Gehegeelemente abtrennen. So kann ich das z.b. mit unserer Futterwiese machen.

Schildkrötengehege im Juli

 

 

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