Pflanzen für Schildkrötengehege

Abb. 12 Kriech-Wacholder

von Ricarda Schramm
Autorin von:
Landschildkröten-Freilandanlagen: Naturnahe Lebensräume im heimischen Garten*
Landschildkröten-Futterpflanzen*

Neben den notwendigen Futterpflanzen spielen in den Schildkrötengehegen auch Pflanzen, die nicht unbedingt als Futter dienen, eine wichtige Rolle. Sie bilden zum einen Strukturierung, damit für die Schildkröten das ganze Gehege nicht gleich völlig überschaubar ist. Zum anderen bieten sie Sicherheit als Versteck und Unterschlupf, als Rückzug, Deckung und als Schattenplätze an heißen Sommertagen. Unter manchen Büschen sind in meinen Gehegen schon regelrechte Höhlen entstanden, die immer wieder aufgesucht werden.

Selbstverständlich dürfen nur ungiftige Pflanzen in die Gehege, denn es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die eine oder andere Schildkröte auch einmal daran knabbert.

In Facebook-Gruppen und Foren wird immer wieder die Frage gestellt: „Was kann ich denn an Pflanzen im Gehege einsetzen?“. Meist wird dann auf die üblichen mediterranen Pflanzen Lavendel, Rosmarin, Salbei und Thymian verwiesen, die dann auch in den meisten Gehegen zu finden sind.

Daneben gibt es aber noch eine Vielzahl an anderen für Schildkrötengehege wunderbar geeigneten Pflanzen. Einige Beispiele werden hier im Folgenden vorgestellt.

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Fingerkräuter (Potentilla spec.): Die Wildformen der Fingerkräuter sind hervorragende Futterpflanzen für Schildkröten, z. B. Gänsefingerkraut Potentilla anserina und Kriechendes Fingerkaut Potentilla reptans, um nur zwei von vielen zu nennen. Daneben gibt es viele Züchtungen in verschiedenen Farben, Formen und Größen, die sich bei mir als Gehegepflanzen seit Jahren bewährt haben. Sowohl strauchförmige, höhere, verholzende Arten für größere Gehege als auch kleinwüchsige für Jungtiergehege finden sich unter den Fingerkräutern, die Wuchshöhen liegen zwischen 20 und 150 cm, es gibt Blütenfarben in weiß, gelb, rosa und rot. Alle Formen der Fingerkräuter sind recht anspruchslos, kommen auch mit sehr sonnigen Standorten und Trockenheit gut zurecht. Einen Rückschnitt bei zu ausladender Größe vertragen die Fingerkräuter problemlos.

Beispiele:

Fingerstrauch Potentilla fruticosa: Z. B. ʹGoldfingerʹ, gelb blühend, Wuchshöhe
120 – 150 cm Wuchsbreite 75 – 120 cm, ʹAbbotswoodʹ, weiß blühend,

ʹRed Aceʹ, rot blühend, mittelhoch Wuchshöhe 45 – 55 cm Wuchsbreite 40 – 50 cm.

Großblütiges Fingerkraut, Erdbeerblättriges Fingerkraut Potentilla megalantha (syn. fragiformis): Im Gegensatz zu den Variationen, die von P. fruticosa abstammen, bildet das Erdbeerblättrige Fingerkraut niedrige, krautige Horste, die nicht verholzen, Wuchshöhe 10 – 20 cm. Es eignet sich somit hervorragend für Baby- und Jungtiergehege.

Auf Grund ihrer Abstammung von Wildformen, die als Futterpflanzen sehr beliebt sind, wird auch hier und da mal von den Schildkröten an den Fingerkraut-Zuchtformen genascht. Vollständig abgefressen, wie so manche Futterpflanze, werden sie jedoch nicht.

Johanniskräuter (Hypericum spec.): Johanniskräuter kommen auch in den Habitaten der Europäischen Landschildkröten vor und werden dort von den Schildkröten als Futterpflanzen genutzt. Bekannt ist z. B. das Echte Johanniskraut Hypericum perforatum. Die verschiedenen Arten und Züchtungen sind in Wuchsform und Merkmalen sehr vielfältig, sie können Wuchshöhen von 5 cm, 100 cm bis hin zu 12 m erreichen. Die Blütenfarbe ist gelb. Viele Johanniskräuter sind auch in unseren Breiten winterhart und gedeihen gut an vollsonnigen Standorten. Sie können problemlos zurückgeschnitten werden.

Beispiele:

Kanadisches Johanniskraut ʹGemoʹ Hypericum densiflorum ʹGemoʹ, Wuchshöhe: 60 – 100 cm, Wuchsbreite: 30 – 50 cm, sehr attraktive Blüten, wintergrün.

Hohes Johanniskraut Hypericum moserianum, hier ist der Name eigentlich irreführend, denn diese Art erreicht nur eine geringe Höhe, Wuchshöhe: 40 – 60 cm, Wuchsbreite: 50 – 70 cm, im Herbst sehr schöne Samenkapseln, wintergrün.

Zwerg-Johanniskraut Hypericum olympicum, Wuchshöhe: 30 – 40 cm, laubabwerfend, für Baby- und Jungtiergehege.

Wacholder (Juniperus spec.): Wacholder gehören zur Familie der Zypressengewächse (Cupressaceae). Die eigentlichen Zypressen, die man aus dem Mittelmeerraum kennt, sind bei uns leider nicht winterhart. Säulen- oder Zypressen-Wacholder vermitteln mit ihrer Wuchsform jedoch einen ähnlichen Eindruck. Wacholder gibt es in unzähligen Arten und Wuchsformen, sie gedeihen auch auf sehr trockenen Standorten.

Beispiele:

Irischer Säulenwacholder ‚Hibernica‘ Juniperus communis ‚Hibernica‘, Wuchshöhe: 250 – 400 cm, immergrün, grün mit leicht bläulichem Schimmer.

Blauer Zypressen-Wacholder ‚Blue Arrow‘ Juniperus scopulorum ‚Blue Arrow‘, Wuchshöhe: 400 – 550 cm, immergrün, leicht graue Färbung.

Auf Grund ihrer Größe sind beide nur für sehr große Gehege geeignet.

Kriech-Wacholder oder Teppich-Wacholder, z. B. Juniperus communis ‚Hornibrookii‘, Juniperus horizontalis ‚Glauca‘, Juniperus squamata ‚Blue Carpet‘ und andere. Sie erreichen nur Wuchshöhen je nach Art von 20 – 60 cm, in der Breite jedoch bis zu 250 cm. Ein Rückschnitt ist aber ohne Weiteres möglich. Diese niedrigen Wacholder-Arten sind bei den Schildkröten sehr beliebt als Verstecke und Schattenplätze.

Blauer Zwerg-Wacholder Juniperus squamata ‚Blue Star‘ und andere Zwergformen, je nach Art Wuchshöhe: 50 – 100 cm, Wuchsbreite: 100 – 150 cm, blaue oder grüne Nadelfarben, sehr langsames Wachstum.

Taglilien (Hemerocallis spec.): Blühende Taglilien im Schildkrötengehege bilden besonders attraktive Blickpunkte. Die Blüten sind bei Schildkröten als Leckerbissen sehr begehrt und auch für uns Menschen essbar. Die Horste mit ihren überhängenden Blättern werden gerne als Verstecke genutzt. Taglilien gibt es in unzähligen Züchtungen, mit Blüten in vielen verschiedenen Farben und Größen, manche duften sogar. Die Pflanzen sind sehr anspruchslos, vertragen auch Trockenheit und kalkhaltige Böden. Im Herbst ziehen sich die Triebe in den Boden zurück, um im Frühjahr wieder neu auszutreiben. Große Pflanzen kann man im Herbst oder zeitigen Frühjahr teilen und damit vermehren, indem man die Rhizome einfach zerteilt. Wuchshöhe: Bis zu 150 cm, Wuchsbreite: Bis 80 cm.

Auch hier gibt es kleiner bleibende Zwergformen, z. B. Taglilie ‚Stella de Oro‘ Hemerocallis x cultorum ‚Stella de Oro‘, Wuchshöhe: 20 – 40 cm, Wuchsbreite: 30 – 40 cm, Taglilie ‚Mini Stella‘ Hemerocallis x cultorum ‚Mini Stella‘, Wuchshöhe: 20 – 30 cm, Wuchsbreite: 30 – 50 cm.

Schmetterlingsflieder (Buddleja davidii): Die Blüten des Schmetterlingsflieders ziehen, wie schon der Name sagt, Schmetterlinge magisch in Scharen an – ein ganz besonderes Schauspiel im Garten und ein Beitrag für die Insektenwelt. Auch unsere Schildkröten fressen gerne die Blüten des Strauchs.

Schmetterlingsflieder gibt es in vielen Züchtungen und den Blütenfarben weiß, rosa, lila und blau, von denen einige angenehm duften. Die ursprünglichen Formen können eine Wuchshöhe bis zu 5 m erreichen, wenn sie nicht geschnitten werden. Ein Rückschnitt im Februar auf 1/3 hält bei allen Schmetterlingsfliedern den Wuchs etwas im Zaum und sorgt für buschigeres Wachstum und mehr Blüten.

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Etwas kleiner bleibt die Züchtung Buddleja davidii ‚Adonis Blue‘ mit einer Wuchshöhe von 150 – 200 cm.

Inzwischen gibt es auch regelrechte Zwergformen, die eine Wuchshöhe von 100 – 150 cm (Buddleja davidii ‚Buzz ®) oder sogar nur von 40 – 60 cm erreichen (Buddleja davidii ‚Summer Lounge‘ ®). Diese niedrigen Zwergsträucher eigenen sich dann auch für Baby- und Jungtiergehege.

Wichtig: Bitte nicht verwechseln mit dem Gewöhnlichen Flieder Syringa vulgaris, der giftig ist!

Hibiskus, auch Garteneibisch (Hibiscus syracus): In der Liste fehlen darf natürlich nicht der Hibiskus, dessen Blüten auf der Beliebtheitsskala der Leckerbissen bei Schildkröten ganz oben stehen. Die Blüten lassen sich auch sehr gut trocknen für winterwache Schildkrötenarten.

Der Hibiskus kann Wuchshöhen bis zu 4 m erreichen und ist deshalb nur für große Gehege geeignet. Der Strauch verträgt aber auch einen Rückschnitt im Frühjahr, wenn er zu groß geworden ist und zu viel Schatten wirft. Er ist in vielen Züchtungen mit Blütenfarben in weiß, rosa, lila und blau, mit gefüllten und ungefüllten Blüten erhältlich. In strengen Wintern kann der Hibiskus auch einmal zurückfrieren, treibt aber dann meist im Frühjahr von unten neu aus.

Einige weitere Pflanzenarten, die sich als Gehegepflanzen eignen, liste ich hier nur noch kurz auf: Z. B. Funkien (Hosta spec.), eher für halbschattige Bereiche, einige winterharte Palmlilien (Yucca spec,), Zwerg- und Krüppel-Kiefern (Pinus spec.).

Zum Schluss möchte ich noch eine Gehegepflanze erwähnen, die man nicht kaufen muss, den Wiesen-Storchschnabel Geranium pratense. Er ist auf unseren Wiesen eine verbreitete einheimische Pflanze, die man sich dort ausgraben und ins heimische Gehege setzen kann – natürlich nur mit Erlaubnis des Eigentümers. Im Frühjahr treibt der Wiesen-Storchschnabel neu aus, der sich im Herbst in die Erde zurückgezogen hatte. Dann fressen auch die gerade aus der Winterstarre erwachten Schildkröten schon mal das eine oder andere frische Blättchen. Im Sommer ist die Pflanze auf eine Höhe bis zu 80 cm angewachsen und wird von den Schildkröten gerne als schattenspendendes Versteck aufgesucht. Die leuchtend blauen Blüten sind auch für den Betrachter sehr attraktiv.

Text und Fotos: Ricarda Schramm
tartaruga-verlag.de
Die Fotos sind urheberrechtlich geschützt.


Bezugsquelle: www.baumschule-horstmann.de

(Ich beziehe seit Jahren meine Pflanzen bei dieser Baumschule, die gelieferten Pflanzen sind immer von sehr guter Qualität.)

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