Gertrud-Und wie sie ihr Schicksal meistert!

Gertrud, 14-jähriges THB-Weibchen

von Alexandra Martin

Ich wurde gebeten hier etwas über Gertrud zu erzählen.

Da Gertrud mein Herz im Sturm erobert hat, komme ich dieser Bitte auch sehr gerne nach.

Ja, die Bilder von Gertrud tun erstmal weh, aber sie hat ihre Chance verdient und genutzt. Und es gibt auch ein Happy End, denn diese besondere Kröte scheint sich mittlerweile pudelwohl zu fühlen.

Wer also die Bilder verstörend finden sollte, kann ja einfach schnell weiter scrollen.

Gertrud (Thb ca. 14 Jahre) wurde am 16.1.2018 als schwer verletztes Fundtier bei der Reptilienhilfe in Dillingen/Saar, bei Manuela und Peter Kaup-Pfleger abgegeben.
Trotz der großen und schweren Panzerverletzung haben sich die Betreiber der Station entschlossen dem Tier eine Chance zu geben, obwohl ihnen zweimal geraten wurde das Tier einzuschläfern.

Sie pflegten sie hingebungsvoll mit Hilfe ihrer Tierärztin. Anfangs musste Gertrud künstlich ernährt werden und auch die Versorgung der Wunde war sehr aufwendig. Antibiotika, Schmerzmittel, Ernährung per Magensonde, Spülungen und aufwendige Salbenverbände gehörten jetzt erst einmal zum Alltag von Gertrud und ihren unermüdlichen Pflegern.

Herzlichen Dank hierfür und auch, dass ihr mir Gertrud anvertraut. Ihr habt sie ja sehr tief ins Herz geschlossen.

Ich wurde auf Gertrud aufmerksam, weil eine Freundin und Unterstützerin des Schildkröten-Spenden-Flohmarktes mich anschrieb und mich fragte, ob dieses schwer verletzte Tier nicht ein Fall für eine finanzielle Unterstützung seitens des Spenden-Flohmarktes wäre. Ich war gerade auf Schildkröten Tagung, schaute nur kurz aufs Handy und war erschrocken von dem Bild. Ich glaube, meine erste Antwort war: „Lebt das Tier?“.

Gertrud, 14-jähriges THB-Weiobchen mit schwerer Panzerverletzung
Gertrud, 14-jähriges THB-Weibchen

Über Frauke entstand der Kontakt und wir übernahmen eine Tierarztrechnung der Station. Die Reptilienhilfe in Dillingen-Saar läuft komplett privat und ehrenamtlich und es ist wirklich noch einmal besonders hervorzuheben, was für ein finanzieller Aufwand so ein Fundtier für eine Station bedeutet, die keinerlei finanzielle Unterstützung seitens irgendwelcher Ämter bekommt!

Natürlich hat mich die Genesung in diesem besonderen Fall unheimlich interessiert, und ich habe mich daher jedes Mal über neue Berichte über Gertrud gefreut.

Als ich einmal mit Frauke Kontakt hatte, erwähnte ich beiläufig wie interessant ich es fände, so eine Heilung über einen langen Zeitraum zu beobachten. Frauke reagierte sofort und meinte, warum ich sie denn nicht zu mir nehmen würde…

Nach einem langen und sehr netten Telefonat mit Manuela Kaup-Pfleger von der Reptilienhilfe und sofortiger Rücksprache mit dem Reptilien Facharzt meines Vertrauens, stand der Plan fest.

Gertrud reiste vom Saarland direkt zum Tierarzt und dort haben wir zwei uns dann das erste mal live gesehen. Was soll ich sagen? Liebe auf den ersten Blick. Gertrud strahlte eine Ruhe und einen Lebenswillen aus, dass man vom Anblick der Verletzung gar nicht mehr so beeindruckt war.

Die Dame wurde nun erst noch einmal ordentlich auf den Kopf gestellt. Bluttests, Röntgen, Herpes und Mykoplasmentest, Wurmuntersuchung und so weiter.Gertrud, 14-jähriges THB-Weibchen

Der Tierarzt vermutete, anhand des Bildes der Verletzung, dass etwas schweres ( z. Bsp. Ein großer Stein) auf den Panzer gefallen ist oder die Verletzung durch einen Hammer verursacht wurde. Was wirklich passiert ist und ob es Tierquälerei oder ein Unfall war, werden wir nie erfahren.

Die Wunde wurde nun erst mal genau untersucht und lose Knochensplitter entfernt. Dabei wurde ein Pilz in der Tiefe entdeckt, der dann auch noch behandelt werden musste.

Trotz allem, was dieses Tier durchmachen musste, waren die Blutwerte überraschend gut und die Nierenwerte Top in Ordnung. Alleine die Leber ist durch die Höchstleistungen, die sie bei der Heilung erbringen musste, leicht angeschlagen.

Nach einer Woche stationär beim Tierarzt, mit täglicher Wundtoilette, Behandlung gegen Würmer und Flagellaten und nachdem sie dem armen Tierarzt fast die Haare vom Kopf gefressen und sich allen ins Herz geschlichen hatte, durfte ich sie endlich nach Hause holen.

Über der Wunde hatte sich mittlerweile eine feine Haut, eine Art Grind gebildet, die sie unempfindlich genug gegen Schmutz und vor allem Fliegen machte. Gertrud durfte somit auch gleich ins Quarantäne-Gehege einziehen.

Der WAHNSINN, damit hätte ich nie gerechnet!

Sie genoss sichtlich die Sonne auf dem Panzer und gewöhnte sich schnell an die wiedererlangte Freiheit.

Bald gab es wieder etwas zu feiern… Herpes und Mykoplasmen NEGATIV!!

Die „Pflege“ war mittlerweile unglaublich einfach! Tägliches Baden und vorsichtige Reinigung mit einer Weichen Babyzahnbürste und danach genaue Kontrolle und Versorgung der offenen Stelle.

Mehr nicht!!

Unterdessen entwickelte sich Gertrud rasend schnell wieder zu einer normalen Schildkröte. Sie fing wieder an selbst zu weiden, kletterte ganz normal, sonnte sich und verhielt sich insgesamt sehr unauffällig.

Gertrud ist sehr menschenbezogen, was natürlich in ihrem Fall besonders wichtig ist. Ich muss sie ja insgesamt deutlich häufiger anfassen, hochheben, kontrollieren und baden als meine anderen Tiere und das scheint ihr überhaupt keinen Stress zu machen.

Ganz im Gegenteil! Sie kommt sogar schnell angelaufen und klettert auf meine Hand wenn ich im Gehege bin. Auch wenn es nur mal für ein kleines Fotoshooting ist.

Und jetzt?

Gertrud scheint einfach nur glücklich zu sein! Sie ist nicht eingeschränkt in irgendeiner Weise und führt ein normales Schildkrötenleben.

Der Panzerschaden festigt sich immer mehr und wird immer weiter von dunkelgrauem Ersatzknochen gefüllt.

Ich freue mich unheimlich, dass der Tierarzt beim letzten großen Check sogar grünes Licht für eine kontrollierte Starre gegeben hat. Ich denke, dass ihr die Starre dann noch die Kraft gibt, sich komplett zu regenerieren.

Ich bin gespannt, und freue mich weiterhin zu beobachten, wie sich Gertrud weiter entwickelt und so wie es aussieht werden wir zwei zusammen alt werden dürfen.

Danke an Manuela und Hans Peter Kaup-Pfleger von der Reptilienhilfe!
Danke an Tobias Friz!
und ein dickes DANKE an alle aus dem Schildkröten-Spenden-Flohmarkt für die finanzielle Unterstützung von Gertrud!

Gertrud, 14-jähriges THB-Weibchen