Bau unseres Schildkrötenhauses im Jahr 2013

Bau unseres Schildkrötenhauses im Jahr 2013

Im Mai 2012 wurde ich von einer Bekannten angesprochen, ob ich eine Landschildkröte von einer älteren Dame übernehmen könnte. Sie pflegte das Tier seit rund 46 Jahren und konnte sich aus gesundheitlichen Gründen leider nicht mehr um die Schildkröte  kümmern. Ich fuhr hin, sah mir das Tier an und war sehr überrascht, wie gut gewachsen und gesund es aus aussah…und …es war ein Testudo hermanni boettgeri Weibchen.

Da wir selbst 7 Griechische Landschildkröten haben (aufgeteilt in zwei Gruppen), hoffte ich auch, das Tier in die Gruppe mit einem Männchen und zwei Weibchen zu integrieren. Nach Gesundheitscheck beim Tierarzt baute ich für Susi, so hieß das Tier ein Quarantänegehege. Nach einem Jahr Quarantänezeit und einem weiteren Tierarztkontrollbesuch war es dann soweit. Susi kam zur der Gruppe und wir waren erleichtert…

Die Tiere verstanden sich prächtig. Ich habe die zwei Gehege – das zweite Gehege ist für eine reine Männertruppe von vier Tieren, die seit 12 Jahren bei uns leben –  so angelegt, dass diese durch die beiden Alltop-Frühbeete, das Grundbeet mit Erweiterung von Beckmann, in der Mitte getrennt sind. Eine Gruppe geht aus dem Frühbeet (Maße: 200 x 100 cm in der Mitte durch eine Wand getrennt) links in ihr Gehege die andere rechts aus dem Frühbeet ins Gehege. Da aber das Doppelfrühbeet für die acht Tiere dann doch zu klein wurde, kam dann der Gedanke, im Sommer ein Schildkrötenhaus für die Gruppe mit Susi zu bauen. Unsere Tiere halten ihre Starre im Kühlschrank. Diese Art der Überwinterung finde ich, speziell für Anfänger, als die einfachste Art. Die Temperatur kann besser überwacht bzw. bei Bedarf nachgebessert werden. Aus Gesprächen mit anderen Haltern, Informationen aus dem Internet und aus Büchern war mir schon länger klar, dass ich, wenn ein Neubau ansteht, eine Überwinterungsgrube integrieren wollte. Ich finde, es ist einfach natürlicher, wenn sich die Tiere ihren Aufwachzeitpunkt selbst wählen können. Und so wurde es dann auch geplant.
Ich machte mich erstmal im Internet schlau, was ein Gewächshaus mit meinen Anforderungen kosten sollte. Es sollte schon mindestens 10 mm Scheiben und eine Größe von 2 x 2,50 haben. Naja, die fingen dann mit ca. 2.000 Euro an, was bestimmt gerechtfertigt ist aber mein Budget doch etwas überstieg. Zu meinem Glück muss ich schreiben, dass mein Schwiegervater gelernter Maurer ist und das eine oder andere Haus oder Häuschen bei uns schon gebaut hat.
Im Oktober, die Tiere begannen so langsam sich auf die Starre vorzubereiten und kamen nur noch selten aus ihrem Frühbeet, begann das Projekt Schildkrötenhaus.

Eine Bildfolge zeigt die einzelnen Arbeitsschritte vom Bau der Überwinterungsgrube bis zum fertigen, noch nicht eingerichtetem Haus:



Als Material wurden benötigt:

58 Hohlblocksteine mit den Maßen 49 x 17,5 x 28 cm

5 doppelverglaste Fensterscheiben im Rahmen (gebraucht vom Nachbarn)

Kanthölzer 8 x 10 cm aus Douglasie für das Dachgebälk

10 OSB Platten 15 mm für das Dach

eine Rolle Dämmwolle (übriggeblieben vom Hausbau meines Cousins)

Dachpappe

Holzlasur

Gehwegplatten, 30 x 30 x 5 cm zum Auslegen im Schildkrötenhaus gegen Fressfeinde von unten

(günstig über eBay)

Die Grundmaße des Schildkrötenhauses sind  200 x 250 cm, die Höhe beträgt etwa ca. 200 cm
Die Überwinterungsgrube hatte ich mit den Gehwegplatten ausgelegt und auch gemauert.
Sie hat die Maße von 120 x 60 cm und eine Tiefe von 60 cm. Ich denke, durch die gute Isolierung sind die 60 cm Tiefe ausreichend. Da die Tiere schon ihre Starre im Kühlschrank halten, werde ich diesen Winter gut nützen können, um die Temperatur zu beobachten. Meine Idee ist, bei starkem Frost, das Schildkrötenhaus frostfrei zu halten, indem über eine Thermozeitschaltuhr ein Aquraiumheizstab in einem schwarzen 20 Kanister Wasser erwärmt….ob es funktioniert, ich werde es ausprobieren.
Noch zu den Kosten des Schildkrötenhauses: Da ich einiges an Material durch Umhören (Fenster vom Nachbarn, Dämmwolle ), Recherche im Internet (Gehwegplatten bei Ebay) oder Beziehung (Balken direkt vom Sägewerk über meinen Schwager) bekommen habe, hatte ich reine Materialkosten von ca. 380 EUR – und ein Grillabend für meine Schwiegereltern.
….es geht also doch…gut und günstig.

Update Schildkrötenhaus 2018

Unsere Tiere haben jetzt inklusive der Kältestarre 4 Jahre durchgehend (das erste Jahr war ein Probelauf ohne Tiere) in ihrem Schildkrötenhaus verbracht.

Mein Fazit:

In den Sommermonaten heizt sich das gemauerte Haus natürlich nicht so schnell auf, wie unsere Beckmann-Frühbeete oder ein Gewächshaus. Die Wärmelampen sind daher etwas länger an. Auf der anderen Seite kühlt es auch nicht so schnell ab. Obwohl ich hier schreiben muss, das auch unsere 16 mm Frühbeete die Wärme schon extrem lange halten. Aber das ist natürlich auch der Unterschied zu günstigeren 4mm Frühbeete aus dem Baumarkt.

Durch die gute Isolierung des Schildkrötenhauses besteht auch nicht die Gefahr, das es zu warm wird. In den Frühbeeten wird eine Überhitzung vermieden, indem die Fensteröffner bei ca. 28-30 Grad im Inneren den Deckel anheben.

Habe ich natürlich nicht im Schildkrötenhaus. Aber die höchste Temperatur, die der Datenlogger bisher aufgezeichnet hatte, waren 38 Grad. Also kann ich bis dahin sehr zufrieden sein.

Und wie sah es im Winter aus?

Auch hier kann das Haus überzeugen! Die tiefste Temperatur im Freien wurde mit Minus 17 Grad an einem Morgen um 3 Uhr aufgezeichnet. Der Fühler im Schildkrötenhaus hatte zeitgleich minus 8 Grad angezeigt! In der Überwinterungsgrube selbst waren es dann zu diesem Zeitpunkt bei ca. 5 cm Tiefe dann „angenehme“ 2-3 Grad im Plus! Ich habe zur Sicherheit noch ein Wärmekabel in der Grube, das anspringt, falls die Temperatur unter 2 Grad fallen sollte. In diesem Jahr (2018) ist es erstmalig dann auch mal angesprungen. Aber selbst dann habe ich noch die Sicherheit, das sich die Tiere bis ca. 60 cm in die Tiefe vergraben könnten, was aber bisher noch nie der Fall war.

Also bisher kann ich nur positives berichten. Neben der angenehmen Arbeitshöhe halten auch die Temperaturen. Was ich eventuell hätte anders machen sollen bzw. was ich eventuell noch ändern werde ist das Dach. Hier hatten wir komplett mit OSB-Platten und Dachpappe zu gemacht. Ich eventuell aber noch eine Fensterscheibe einsetzen, um noch mehr Licht rein zu lassen.

Aber so ist nun mal der Gehegebau: Man wird nie fertig!

 


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