Landschildkröten auf Mallorca-Teil 1

Kurz vor dem Abflug

Vor zwei Jahren in Landau (2017) trafen sich 4 verrückte Schildkrötenhalter und beschlossen nach dem Vortrag von Thorsten Geier (Landschildkröten auf Mallorca):
Da müssen wir auch hin!
War von mir zu diesem Zeitpunkt im Rausche der Bilder von Thorstens Vortrages vielleicht etwas voreilig beschlossen.
Warum? Mit dem Auto nach Mallorca wird es etwas aufwendig. Mit dem Flugzeug innerhalb von 2 Stunden. Wäre da nicht meine Flugangst. Die Zeit verging und in den letzten Wochen waren Sonja, Bettina und Anja fleißig am Schreiben und Austauschen. Für uns der erste Flug in den Urlaub in 29 Jahren und somit musste viel gefragt und besprochen werden. Ich für meinen Teil hielt mich dezent zurück, da alleine schon das Wort „Flugzeug“ das Herz in die Hose rutschen ließ.
Der Tag rückte näher, die Spannung stieg und der Blutdruck bei mir fiel. Am 27. April war es dann so weit. Ich erspare lieber hier weitere Einzelheiten, aber nur so viel: Über den Wolken ließ die Spannung bei mir etwas nach und ich konnte tatsächlich auch wieder flüssige und feste Nahrung zu mir nehmen, ohne dass diese wieder versuchte meinen Körper fluchtartig zu verlassen.

Mallorca

Hauptgebäude der Ferienanlage
Hauptgebäude der Ferienanlage

Endlich am Boden wieder angekommen wurden wir dann mit einem Bus quer über die Insel kutschiert. Unser Hotel lag an der Ostküste (wurde uns von einem lieben und netten Schildkrötenhalter empfohlen) das wir dann nach ca. 1 Stunde erreichten. Mit Händen und Füßen und etwas Englisch hatten wir uns dann vorgestellt und bekamen unsere Apartments zugewiesen. Unser Schulenglisch war noch etwas eingerostet aber mit der Zeit wurde unser Englisch auch immer besser, was uns dann später noch in Palma wertvolle Dienste erweisen sollte. Aber hierzu später mehr.
Unser Apartment (und auch das von Bettina und Anja) lag im ersten Stock mit Balkon und Blick auf das Meer! Genial!
Was aber noch besser war: Hinter dem Parkplatz Wildnis pur! Ein Naturschutzgebiet und das optimale Schildkrötenhabitat direkt am Hotel! 

Blick vom Restaurant
Blick vom Restaurant

In Mallorca kommt man ja innerhalb zwei Stunden mit dem Auto fast überall hin. Also sind wir mit dem Taxi in den nächst größeren Ort und haben uns bei Europcar für die ganze Woche ein Auto gemietet. Zurück in unsere Finca angekommen, hat uns der Eigentümer der Finca, Miguel in einem guten Deutsch noch den Tipp gegeben zum Essen ein kleines Restaurant direkt am Strand zu besuchen. Das Restaurant liegt wirklich nur wenige Hundert Meter von unserer Finca wunderschön gelegen inmitten einer Bucht. Also haben wir dort den ersten Tag mit einem kleinen Umdrunk ausklingen lassen und auch Bekanntschaft mit dem Kellner Andi (aus München!!) gemacht. 

Die ersten Landschildkröten

Tag Zwei begannen wir zuerst mit einem ausgiebigen und wirklich tollen Frühstück (was die ganze Woche über auch war!). Wir waren zu dieser Zeit (außerhalb der Saison) die einzigen Gäste und wurden vielleicht deshalb so verwöhnt?! Umso besser!

Frühstück
Frühstück war immer super!- und reichlich!

Also begannen wir beim Frühstück alles so weit zu besprechen. Wichtig: gut mit Sonnenmilch eincremen, da die Sonne (obwohl zu dieser Zeit angenehme 20 bis 25 Grad herrschten) schon wesentlich intensiver als im Hunsrück scheint. Weiter wurden mehrere Flaschen Mineralwasser mitgenommen und natürlich meine Kamera bzw., die Mädels hatten ihr Handys zum fotografieren dabei (es sollte sich dann herausstellen, das für eine Dame neben Landschildkröten das Essen ein beliebtestes Motiv war).

Es ging uns bei diesem Trip auf Mallorca nur darum möglichst viele Tiere in ihren natürlichen Habitaten zu sehen und zu fotografieren. Wir haben in dieser Zeit wirklich eine Menge Testudo hermanni hermanni gefunden, haben aber bis auf ein Tier keines angefasst!!! Bei diesem einen Tier wollten wir auch nur kurz den Bauchpanzer sehen und haben es wirklich nur für einige Sekunden hoch gehoben bzw. kurz rumgedreht um ein Bild vom Bauchpanzer zu machen. Alle anderen Tiere haben wir nur fotografiert und rennen lassen, wenn es sich unwohl fühlte. Wir haben keine Messungen oder Sonstiges für wissenschaftliche Zwecke durchgeführt sondern uns nur an den Tieren und der Landschaft berauscht.

Mit gutem Schuhwerk (das ist sehr wichtig!), langen Hosen und Rucksack ging es dann los. Nach  wenigen Metern auf dem Weg hüpften wir dann über die Mauer (Für Mallorca sehr typisch. Diese sind überall auf der Insel als Grundstückeinfriedung zu sehen) und standen schon mitten im Habitat. Was uns direkt auffiel: Es war sehr trocken, es wuchsen kaum Futterpflanzen und dieses Gebiet war sehr steinig.

Wissenswertes:
Die Gesteine auf Mallorca bestehen vorwiegend aus  jurassischen Meeresdimenten. Im Laufe von Jahrmillionen Jahren haben sich daraus Kalkstein und Dolomit  entwickelt. Die Insel besteht heute aus ca. 90%  aus diesen Gesteinen.
Quelle: www.online.uni-marburg.de/botanik/mallorca05/marc/gesteine.html

Niedrige, verschiedene Sträucher beherrschten dieses Habitat. Diese sogenannte Garrigue entsteht durch intensive Beweidung der Macchia. Und tatsächlich: Schafe rannten hier überall frei um. Auf der einen Seite natürlich schön auf der anderen Seite gab es dann einem doch zu denken, da diese Tiere ja auch Futterpflanzen der Landschildkröten fressen. Dadurch geht natürlich auch die Artenvielfalt verloren und für Schildkröten bleibt dann meist nur das übrig, was für die Schafe zu klein oder nicht schmackhaft ist.
Besonders Zistrose, Lavendel, Rosmarin wuchsen dort. Futterpflanzen fanden wir, wenn überhaupt, als kleines zartes Pflänzchen.

Aber die Flora von Mallorca ist auch sehr vielfältig und ist zum Teil auch bei uns beheimatet:

  • Stacheliger Dornginster
  • Silberweiße Zistrose
  • Strauchige Kugelblume
  • Rosen-Eibisch
  • Balearen-Johanniskraut
  • Gezähnter Lavendel
  • Acker-Hundskamille
  • Blauer Acker-Gauchheil
  • Einjähriges Gänseblümchen
  • Acker-Ringelblume
  • Flockenblume
  • Gewöhnliche Kratzdistel
  • Zwerg-Pippau
  • Ochsenzunge
  • Wilde Karde
  • Kletten-Labkraut
  • Storchschnabel
  • Spanische Esparsette
  • Stängelumfassende Taubnessel
  • Wilde Malve
  • Wilder Schlaf-Mohn
  • Portulak
  • Acker-Senf
  • Kohl-Gänsedistel
  • Königskerze
  • Brennnessel
  • Mariendistel
  • etc
Habitat auf Mallorca
Habitat unseres ersten Ausflugzieles

Auffallend: Während bei uns Futterpflanze reichlich zu dieser Jahreszeit vorhanden sind, war in diesem Abschnitt bzw. auch in den anderen Habitaten vieles schon vertrocknet. Die vorhandenen Futterpflanzen waren aufgrund der Bodenbeschaffenheit( stein,- kalkhaltiger und nährstoffarmer Boden) und starker Besonnung klein und mickrig im Vergleich zu unseren Pflanzen,  die ja meist auf fettigen, nährstoffreichen Boden wachsen.

Tote semiadulte Testudo hermanni hermanni
Auch das ist Natur-Tote semiadulte Testudo hermanni hermanni

Dieses Gebiet war leicht abfallend und daher eigentlich als Schildkrötenhabitat optimal. In dieser Garrigue dürften wir Schildkröten finden. Und so dauerte es auch nicht allzu lange, bis Bettina das erste Mal „Schildkröte!“ rief.
Wir rannten natürlich alle zu dem Platz und bestaunten unsere erste frei lebende Testudo hermanni hermanni auf Mallorca. Für Bettina und Anja, die beide schon in Griechenland auf  Schildkrötensafari waren, nichts ungewöhnliches. Für mich und Sonja ein toller Augenblick. Das Tier wurde natürlich ausgiebig fotografiert und ging dann seines Weges. An diesem Morgen fanden wir dann noch 5 weitere Tiere, aber leider auch ein semiadultes, totes Tier.

Interessant auch, dass wir ein Tier vor einer Meerzwiebel fanden, an deren Blätter eindeutig Fraßspuren waren. Ich will nicht behaupten, das die Schildkröte an dieser, eigentlich giftigen Pflanze gefressen hat (Giftig aufgrund der Inhaltsstoffe für Menschen und Säugetiere!), aber auch Wolfgang Wegehaupt beschreibt in seinem Buch „Europäische Schildkröten-Lebensraum und Lebensweise“:

….Aber auch hoch giftige Arten wie die früher als Rattengift verwendete Meerzwiebel (Urginea maritima), Aronstabgewächse wie der Italienische Aronstab (Arum italicum), der Krumstab (Arisarum vulgare) oder die Gewöhnliche Schlangenwurz (Dracunculus vulgaris) und die sehr häufig vorkommende ganze Büsche überziehende Schmerwurz (Tamus communis), werden bevorzugt gefressen. Wolfgang Wegehaupt: „Europäische Schildkröten-Lebensraum und Lebensweise“, S.121)
Passend dazu die Erkenntnis vom Arzt und Naturphilosoph Paracelsus:
„ Alle Dinge sind Gift und nichts ist ohne Gift, alleine die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist!“

Warum die Tiere, zum Teil auch gezielt, „giftige“ Pflanzen fressen ist nicht ganz klar. Eine Möglichkeit könnte sein, um Parasitenbefall einzudämmen.

Meerzwiebel
Fraßspuren an einer Meerzwiebel-ob es von dem Tier davor war? Könnte sein!

NATÜRLICH gehe ich jetzt nicht hin und werfe unserem Tiere wissentlich giftige Pflanzen ins Gehege! In ihren Habitaten ist die Auswahl wesentlich größer und die Tiere können selbst aus dem Futterangebot wählen. Bei Pflanzen, die gesammelt und im Gehege verteilt werden, wäre die Gefahr zu hoch, das die Tiere aus Versehen zu viel von den giftigen Pflanzen aufnehmen würden.

Trockenmauer mit Durchlass
Trockenmauer mit Durchlass

Zwischendurch hörten wir immer wieder das Gebimmel von Glocken. Schafe waren überall zu hören oder zu sehen. Mittags, mit dem Temperaturanstieg, fielen dann auch gleichzeitig die Chancen noch Schildkröten zu finden, da sie sich in die kühleren Regionen im Dickicht verzogen.
Also gingen wir wieder zu unserem Ausgangspunkt und kletterten über die Steinmauer um auf den Weg zu gelangen. Diese Trockenmauern, die überall auf Mallorca zu finden sind, finde ich toll. Als natürliche Einfriedung für Naturschutzgebiete, Fincas, Bauernhöfe und Häuser bieten sie Schutz vor Überschwemmungen und sind ein wunderschöner Blickfang für Touristen. In der Mauer wurden  Durchlässe eingelassen, damit bei Überschwemmungen das Wasser abfließen kann. Diese Durchlässe werden aber auch gerne von Schildkröten genutzt.
Unseren ersten Tag fanden wir schon sehr erfolgreich und abends beim Essen in diesem kleinen, gemütlichen Restaurant wurde der Tag nochmals besprochen und die Ziele für die nächsten Tage festgelegt.

Hafenstadt Palma

Bettina und Sonja vor der Kathedrale der Heiligen Maria
Bettina und Sonja vor der Kathedrale der Heiligen Maria

Am nächsten Tag wollten wir uns dann der Kultur auf Mallorca widmen und fuhren so morgens nach dem Frühstück nach Palma. Von der Ostküste bis nach Palma sind es ca. 45 KM. Ziel war die Kathedrale bzw. die Altstadt. Wir kamen gut dort hin und parkten in einem Parkhaus vor der imposanten Kathedrale der Heiligen Maria.

Nach dem Besuch der Kathedrale (die muss man wirklich mal gesehen haben!) schlenderten wir noch etwas durch die schöne Altstadt bevor es dann wieder zurückging.

Nachdem uns Anja im Parkhaus schon einen gehörigen Schrecken eingejagt hatte (zum Glück nix passiert) hatte dann auch die Rausfahrt so seine Tücken. Der Autofahrer vor mir hatte schon Probleme mit seinem Ticket an der Schranke. Das Teil ging nicht, also drückte er den Infoknopf, quasselte was und die Schranke öffnete sich.
OK…das Ticket wird ja hoffentlich bei mir funktionieren.
Ich fuhr also ran, steckte die Karte in den Automat und es passierte natürlich nichts!
Nachdem ich ja tags zuvor schon mein Englisch im Hotel testen konnte und eigentlich auch ganz gut funktionierte, drückte ich selbstbewusst den Infoknopf. Eine nette Stimme sprach irgendwas auf Spanisch und wartete auf meine Antwort.

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Ich beugte mich aus dem Fahrerfenster und begann ganz cool:“ Hellooo!“…doch mir fiel nix mehr ein!!!..und jetzt??? Schweißperlen zeigten sich auf meiner Stirn, der Atem ging schneller und aus einem Kauderwelsch aus Hunsrücker Platt, Englisch und Deutsch endete mein Satz“….Dat Ticket geht net!“
Plötzliche Stille im Auto , die mir wie eine Ewigkeit vorkam!
Doch die Schranke öffnete sich! Ich trat auf das Gaspedal,  begleitet von einem grölenden Gelächter neben und hinter mir (Und wahrscheinlich auch in der Zentrale des Parkhauses!)
Wieder vergessen war dann auch der „Ableger“ von Anja auf dem Behindertenparkplatz! (Lachen ist gesund!)

Auch diesen Tag (wie fast alle Tage) beendeten wir bei gutem Essen und tollem Ausblick in dem kleinen Restaurant. Dabei erzählte uns Miguel, dass es in der Nähe unseres Hotels und unserem ersten Ausflug ins Habitat ein Abschnitt mit vielen Schildkröten gibt.

Testudo hermanni hermanni vor der Steilküste!
Testudo hermanni hermanni vor der Steilküste!


Am Tag darauf ging es dann voller Vorfreude los. Den von Miguel erwähnte  Lebensraum war dann wirklich nur paar hundert Meter weiter Richtung Küste. Die Vegetation war hier schon etwas anders. Statt Buschwerk standen hier dann schon Bäume (Aleppo-Kiefer, Steineiche) und es war auch von der Temperatur etwas angenehmer. Und Miguele hatte uns nicht enttäuscht. Wir fanden auf wenigen hundert Meter Umkreis an diesem Tag mehr als 30 Testudo hermanni hermanni in weniger als drei Stunden! Und alle wunderschön kontrastreich gefärbt. Es waren hauptsächlich weibliche Tiere von semiadult bis adult und, auch etwas überraschend, fanden wir zum Teil zwei bis drei Tiere auf einem Platz! Ältere Tiere werden allgemein ja als Einzelgänger bezeichnet. Könnte natürlich bei unseren Funden Zufall sein, dass sich die Tiere über den Weg gelaufen sind. Oder suchen sich die Tiere doch gezielt??

Wir waren also überaus glücklich so viele Tiere gefunden zu haben und die Kamera und Handys klickten bis bis sie heiß wurden. Wir gingen dann aber noch den Weg weiter zur Küste und fanden tatsächlich auch hier noch das eine oder andere Tier fast direkt an der Steilküste! (siehe Bild) Hier gesellten sich dann auch noch Wildziegen hinzu. Wir saßen dann noch eine Zeitlang dort und genossen diesen wunderbaren Ausblick.

Hier endet Teil 1!
Steilküste Mallorca
Im zweiten Teil unserer Schildkrötensafari gab es dann doch noch eine kleine Enttäuschung, aber dafür auch wieder wunderbare Ausblicke, tolle Landschaften  und Landschildkröten am Strand!


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