Europäische Landschildkröten auf Sardinien: Ein Naturparadies – Teil 2

Im zweiten Teil unserer Schildkrötenexkursion gibt es auch ein bisschen Kultur und Strand. Denn nur wegen der Schildkröten auf Sardinien, so faszinierend das Thema auch ist, auf diese wunderschöne Insel zu fliegen, wäre dann doch zu viel des Guten. Es gibt so vieles zu bewundern und zu bestaunen, dass eine Woche eigentlich viel zu kurz ist.

Ein weiteres Schildkrötenhabitat und die „bösen“ Moskitos

Unser Guide Thorsten kutschierte uns nach dem erfolgreichen Ausflug zu einem zweiten, sehr interessanten Schildkrötenhabitat. An diesem Tag waren wir nach dem ersten erfolgreichen Besuch etwas später unterwegs und erreichten das in Strandnähe gelegene Habitat gegen Mittag.
Leider fanden wir bei steigenden Temperaturen an diesem Tag keine Schildkröte, aber Kevin Stern, der ein paar Wochen vor uns dort war, konnte maurische Landschildkröten (TGN) sichten. Auch wenn wir außer Eidechsen keine weiteren Reptilien entdecken konnten, war das Habitat an der Meeresküste sehr interessant. Wir nutzten die Zeit und entspannten uns bei tollem Wetter an den Meeresklippen.

Der Ausflug ging weiter, und Thorsten fuhr uns an einen Strand mit einem kleinen, gemütlichen Strandcafé. Leider begann für mich dort das Martyrium an diesem Tag. Den Kaffee konnte ich noch bestellen und genießen. Dann, warum auch immer, flog eine ganze Schar Moskitos um mich herum. Während sich die anderen an der Umgebung erfreuten, machten mir die Mücken zu schaffen. Da die anderen noch an den Strand wollten, zog ich es vor, mich bei steigenden Temperaturen einzupacken, um den „Blutsaugern“ keine Angriffsfläche zu bieten. Statt zum Strand ging ich lieber durch das angrenzende Habitat, um weitere Eindrücke zu sammeln.

Am Abend nach unserer Rückkehr zählte ich dann über 30 Mückenstiche!

Habitat im Nordwesten – oder am Strand chillen

Der nächste Tag begann leider nicht so gut. Der Backofen in der oberen Wohnung hatte den Geist aufgegeben und Sonja musste den Hausmeister anrufen. Dieser wollte nachmittags einen Elektriker vorbeischicken, und jemand musste ja dafür im Haus bleiben. Sonja stellte sich als Freiwillige zur Verfügung, und ich als lieber Ehemann stand ihr natürlich bei.
Die anderen der Truppe steuerten einen See im Nordwesten der Insel an.

Dort befindet sich ein Habitat für maurische Landschildkröten, und der See ist Heimat unter anderem der europäischen Sumpfschildkröte (Emys orbicularis). Für Sonja und mich stand an diesem Tag der nahegelegene Sandstrand in unserem Ferienort Torre dei Corsari auf dem Programm. Alleine dieser Sandstrand mit beeindruckenden Sanddünen ist einen Besuch wert.

Bilder vom Habitat (wie auch einige andere von meinen Berichten auf Sardinien) sind von Thorsten, Danielle, Sylvia, Bettina, Sabine und Daniela.

Unterwegs – aber ohne Schildkrötensuche

Der Mittwoch stand ganz im Zeichen von Natur und Kultur ohne Schildkröten! Thorsten fuhr uns zum kleinen Stadtbummel nach Guspini. In der Stadtmitte genehmigten wir uns ein leckeres Eis und ich besuchte mit Sonja und Daniela die gegenüberliegende Kirche Chiesa di San Nicola di Mira.

Die Pfarrkirche Chiesa di San Nicola di Mira wurde ab 1611 im katalanisch-gotischen Stil erbaut und etwa 1630 geweiht. Der Bau dauerte lange, und der Glockenturm wurde erst 1723 fertiggestellt. Im Jahr 1864 wurde die Freitreppe zum Eingang errichtet, und die Freskenausstattung stammt aus dem Jahr 1902 (Quelle: wikivoyage).

Von außen etwas unscheinbar, waren wir vom Inneren der Kirche schwer beeindruckt.
Nach unserem Ausflug in das kleine Städtchen zuckelten wir wieder in die Natur. Dort zeigte uns Thorsten eine in die Jahre gekommene Goldwäscherei. Das Fazit bei diesem Besuch: Die Natur holt sich irgendwann alles wieder zurück! Aber eine sehr schöne Heimat für die vielen verschiedenen Eidechsenarten, die sich zum Teil bereitwillig fotografieren ließen.

Anschließend ging es noch an einen tollen Sandstrand mit freilaufenden Rindern und eine runde Eis! 😀

Strand von Sardinien

An der Nordküste

Am nächsten Tag stand die längste Strecke unserer Exkursion an, die sich letztlich als das schönste Habitat herausstellte. Nach einer dreistündigen Fahrt erreichten wir die Nordküste Sardiniens und fanden dort ein Habitat der Breitrandschildkröte (Testudo marginata) vor.

Schon bei unserer Ankunft bot sich uns ein atemberaubender Blick über die Landschaft und das Meer, der viel versprach. Wenig später erspähte Sylvia bereits ein prächtiges Exemplar. Während die Maurischen Landschildkröten eher scheu waren und sich schnell ins Gebüsch zurückzogen, zeigten sich viele Breitrandschildkröten äußerst neugierig und posierten gerne für Fotos.

Das Habitat hatte einiges zu bieten: Neben dem tollen Ausblick gab es viele verschiedene Futter- und Versteckpflanzen sowie vor allem zahlreiche Breitrandschildkröten! 😀

Die Garrigue, eine typische mediterrane Landschaftsform mit niedrigen, immergrünen Sträuchern und Kräutern, war an manchen Stellen so dicht oder von Dornen durchzogen, dass sie unpassierbar war. Ein besonders großes und schönes Exemplar wurde von Saarland-Sabine entdeckt, als es gerade ins Gestrüpp kroch. Thorsten folgte ihm, um noch einige Fotos zu machen und handelte sich dabei ein paar Kratzer ein – aber Hauptsache, das Foto war im Kasten! 😀

Auffällig war auch hier, dass wir ausschließlich adulte Tiere zu Gesicht bekamen. Semiadulte oder Schlüpflinge konnten wir leider auch hier nicht finden. Des weiteren fanden wir einige Schildkröten die mit Zahlen markiert waren. warum konnten wir bisher noch nicht rausfinden. 

Schildkröten auf Sardinien - -Nordküste

Ein Habitat der Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni hermanni) in der Nähe konnten wir aufgrund von Zeitmangel leider nicht mehr besichtigen.
Doch für Sonja und mich war dies sicherlich nicht unser letzter Besuch auf Sardinien! Beim nächsten Mal werden wir uns dieses Habitat definitiv anschauen!

Fazit unserer Schildkrötenexkursion

Unsere Schildkrötenexkursion auf Sardinien war ein unvergessliches Erlebnis, das uns tief beeindruckt hat. Die atemberaubende Landschaft bot nicht nur spektakuläre Ausblicke auf das Meer und die Küste, sondern zeigte uns auch die beeindruckende Vielfalt der Habitatsformen, in denen die Schildkröten leben. Es wurde deutlich, dass es nicht das eine typische Habitat für diese faszinierenden Tiere gibt. Jede besuchte Region hatte ihren eigenen Charakter und bot den Schildkröten unterschiedliche Lebensbedingungen.

Auch mal ohne schildkröten

Zusammenfassend war die Exkursion eine wertvolle Gelegenheit, die Vielfalt und Schönheit der sardischen Natur zu erleben und das Verhalten der Breitrandschildkröten sowie der Maurischen Landschildkröten aus nächster Nähe zu beobachten.
Eine Schildkrötenexkursion in natürliche Habitate ist nicht nur lehrreich, sondern auch äußerst inspirierend für die eigene Gehegegestaltung.

Sardinien 2024

 

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